Space Times, Vol. 23/05, p. 17

ORGONAUTIC – Die Premiere
RaumZeitKoordinaten: Kunst- und Kurhaus Katana, 050604 

Filmmusik der Seele

Von unserem Korrespondenten Moffat Hemmung-Gütekreis

Der wohnzimmergroße Ausstellungsraum des Katana-Kunst-Kur-Klans war
proppenvoll, außerhalb der vollverglasten Fensterfront verabschiedete sich
der Tag allmählich von der urbanen Geschäftigkeit, während im Inneren des
Klubs eine die Abendsonne hell überstrahlende Blüte elektronischer Musik das
Licht der Bühne erblickte: Das von Oberkatanist Boris Hagel als „etwas ganz
neues“ angekündigte Projekt ORGONAUTIC hielt noch weitaus mehr, als die
Ankündigung versprach. Ambientklänge von ätherischer Schönheit, aber auch
dunkel-wabernde Untiefen, bombastische Rhythmen und blubbernde
Sequencerläufe wie in den besten Tagen von „Tangerine Dream“ wummern aus den
Boxen, beschwören innere Welten und verzaubern das entrückte Publikum. Hier
wird es spürbar: Musik ist Magie, und diese funktioniert elektronisch. Der
pointierte Sprechgesang des Texters Alexander Nym ergänzt die akustischen
Leckerbissen von Komponist Christian Preunkert um beschwörende
Scat-Attacken, die daher kommen wie Zaubersprüche, aber auch Prosatexte
oder der klassische Song haben Platz im Repertoire der „Orgonauten“. 
Sollte den oder die Leserin allmählich der Verdacht beschleichen, der
Rezensent sei parteiisch, dann muß der Angesprochene dem zustimmen, denn die
acht Stücke der Grenzgänger zwischen Spoken-Word und Elektronik-Ambient-Pop
haben ihm die Sinne vernebelt und sein Gehirn gewaschen; er bekennt, bekehrt
zu sein. Dennoch sind die Bühnenpräsenz Nyms und die Stimmpower der Sängerin
Doro Beyler auch über jede objektive Kritik erhaben. Boris Hagel hatte recht
behalten: Dies ist etwas völlig neues. 
                                                                        mhk

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